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“Wir müssen viel früher anfangen, diese Themenfelder für Mädchen attraktiv zu machen.”

Was können Unternehmen tun, um Frauen in IT-Berufen zu stärken? Im Gespräch mit Staatsrat Kai Stührenberg erklärt Dr. Felicitas Pudwitz vom Bremer IT-Dienstleister SALT AND PEPPER, wie sich das Unternehmen für mehr Frauen in IT-Berufen engagiert.

Frau Dr. Pudwitz, Sie sind bei SALT AND PEPPER verantwortlich für das Thema Human Resources. Wie ist Ihre Mitarbeiterschaft strukturiert?

Pudwitz: Aufgrund unseres Geschäftsmodells beschäftigen wir viele Ingenieur:innen, aber auch IT-Spezialist:innen und Mitarbeitende mit anderen akademischen Ausbildungshintergründen. Wir haben eine junge Belegschaft, im Schnitt Anfang 30. Unser Frauenanteil in der Holding ist z. B. mit drei von sechs Führungskräften schon recht gut. In den technischen Bereichen haben wir wie viele andere Unternehmen auch ca. 80-85 % Männeranteil. Innerhalb der SALT AND PEPPER-Gruppe bilden wir circa. vier bis sechs Azubis aus. In der Summe sind wir etwa 500 Mitarbeitende. Unser Ziel ist ganz klar: Wir wollen weiterwachsen.

Warum ist es so schwierig, Frauen für technische Berufe zu gewinnen?

Pudwitz: Das Problem beginnt in der Schule. Und es setzt sich in den weiteren Ausbildungswegen der jungen Menschen fort. Hier müssen wir ansetzen und mehr Mädchen und junge Frauen für die sog. MINT-Themen oder MINT-Berufe begeistern. Dann hätten wir auch eine höhere Zahl weiblicher Bewerberinnen – und damit mehr Frauen in technischen und naturwissenschaftlichen Berufen. Was ich sagen möchte: Wir müssen viel früher anfangen, diese Themenfelder für Mädchen attraktiv zu machen. Andere Länder sind da schon viel weiter.

Gibt es bei Ihnen eine Quote?

Pudwitz: Nein, wir haben keine Quote. Grundsätzlich versuchen wir immer, die besten Bewerber:innen zu nehmen. Und das ist vollkommen unabhängig von Geschlecht, Herkunft oder anderen Aspekten. Was für uns zählt, sind Kompetenz und Erfahrung. Ich war bisher kein Freund einer Quote. Ich glaube inzwischen allerdings, dass in manchen Bereichen eine Quote durchaus sinnvoll sein könnte. Zumindest für die Zeit, bis wir in Deutschland den gleichen Status haben wie andere Länder.

Wie hat sich die Corona-Pandemie und dadurch das Thema Homeoffice bei SALT AND PEPPER entwickelt?

Pudwitz: Homeoffice ist – wie in vielen Unternehmen auch – bei uns eine Konstante geworden. Das schafft deutlich mehr Flexibilität. Mitarbeitende mit Kindern schätzen das zum Beispiel sehr. Aber auch für unsere Projekte ist es zum Teil ein Vorteil, wenn Mitarbeitende das eine oder andere von zu Hause erledigen können. Wir setzen auf ein hybrides Konzept, um das Beste aus beiden Welten zu haben, denn uns ist es auch wichtig, dass die Mitarbeitenden sich persönlich sehen und austauschen. Alle Regelungen haben wir transparent für alle Mitarbeitenden nachlesbar in einer Guideline festgehalten. In der Regel verbringen die Kolleg:innen ein Drittel ihrer Zeit im Homeoffice und zwei Drittel im Büro. In Bremen kommen wir zum Beispiel jeden Mittwoch zusammen - beim sogenannten „Bergfest“.

Welche Bedeutung hat die Unternehmenskultur bei Ihnen?

Pudwitz: Unsere Unternehmenskultur ist einer unserer wichtigsten Bausteine, um Mitarbeiterbindung zu erzeugen. Sie schafft für die Mitarbeitenden Freiheiten und fördert Unternehmertum. Unsere Werte: Leidenschaft, Kreativität, Professionalität und Respekt sind essentiell für eine erfolgreiche und gute Zusammenarbeit.

Wir wollen, dass alle sich bei uns und mit Ihren Aufgaben wohlfühlen. Das ist für die Mitarbeitenden gut und letztendlich auch für den Erfolg des Unternehmens. Natürlich gibt es erfolgreiche Unternehmen, die anders geführt werden als SALT AND PEPPER. Aber: Für die Aufgaben und Projekte, die wir zusammen mit unseren Kunden erfolgreich machen, brauchen wir ein echtes Team von motivierten Menschen. Daran arbeiten wir jeden Tag

Was tun sie für junge Familien?

Pudwitz: Für die neue Generation von Fachkräften ist das Thema Familie zunehmend wichtig. Wir sorgen dafür, dass Mütter und Väter, die in Elternzeit sind, immer im Kontakt mit SALT AND PEPPER bleiben. Nicht nur durch Mails oder Newsletter, sondern auch durch gemeinsame Events, zu denen wir sie einladen. Wir freuen uns darüber, dass mehr und mehr Männer länger in Elternzeit bleiben. Bei uns hat das keinen Einfluss auf die Karriere. Auch danach unterstützen wir bei der Work-Life-Balance. Ebenso haben wir Führungskräfte, die in Teilzeit bei SALT AND PEPPER arbeiten.

Interessanterweise erlebe ich bei jüngeren Mitarbeitenden aber auch einen gewissen Trend zur „Retraditionalisierung“. Junge Familien fallen nach der Geburt ihrer Kinder zum Teil in sehr traditionelle Rollen: Der Mann verdient das Geld, die Frau betreut das Kind. Insbesondere für die Frauen ist dieses Familienmodell mit einem hohen Risiko verbunden. Wir wissen alle, dass jede zweite bis dritte Ehe geschieden wird. Hier sollten junge Frauen darauf achten, beruflich nicht den Anschluss zu verlieren.

Wie gehen sie mit Sexismus und Diskriminierung um?

Pudwitz: Sexismus ist bei SALT AND PEPPER kein Thema. Sollte ich in Zukunft erleben, dass ein/e Kolleg:in eine sexistische Äußerung gegenüber einer anderen Person fallen lässt, würde ich direkt und konsequent dagegen vorgehen. Das ist für mich ein absolutes No-Go. Problematisch finde ich die sogenannten Alltags-Diskriminierungen. Damit meine ich Aussagen, die oft unbewusst diskriminierend sind. Wenn zum Beispiel von „den Jungs im Vertrieb“ gesprochen wird, ist das gegenüber den Frauen, die wir ebenfalls im Vertrieb beschäftigen, diskriminierend. Hier versuchen wir kontinuierlich das Bewusstsein und die Sensibilität aller Kolleg:innen zu stärken.

Wie wollen Sie in Zukunft mehr Frauen erreichen?

Pudwitz: Sprache ist hierbei ein wichtiges Instrument. Wir denken zum Beispiel darüber nach, wie wir bei unserer Bewerberansprache Frauen mittels zielgerichteter Formulierungen gezielter ansprechen und für SALT AND PEPPER begeistern können.  

Ein weiterer Weg ist die direkte und frühe Kontaktaufnahme zu weiblichen Studierenden. Dazu werden wir auch unsere Kontakte zu Hochschulen, die in der Pandemie-Zeit etwas eingeschlafen sind, wieder intensivieren.

Haben Sie sich schon mal strukturell mit dem Gender pay gap oder dem career gap auseinandergesetzt?

Pudwitz: In der Vergangenheit haben wir analysiert, ob wir Frauen und Männer in den gleichen Positionen auch gleich bezahlen. Das Ergebnis war eindeutig: Bei uns gibt es keine unterschiedliche Bezahlung zwischen Männern und Frauen. Wir bleiben weiter intensiv an dem Thema dran und werden weiter analysieren. Auf Basis eines KMU-Gleichbehandlungschecks können wir zum Beispiel Maßnahmen für SALT AND PEPPER ableiten. Da kommt das neue Förderprogramm genau richtig. Ich kann mir gut vorstellen, dafür eine Förderung zu nutzen. Wir werden hier am Ball bleiben. Darüber sind wir uns im Unternehmen einig.

 Liebe Frau Dr. Pudwitz, vielen Dank für das interessante Gespräch.

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