Auftaktveranstaltung zur Innovationsstrategie Bremen 2030 vom 29.10.2020

Am Hochtechnologuiestandort Bremen wird zu verschiedenen Technologien der Zukunft geforscht. Urheber: WFB/Jonas Ginter

Schon während der Auftaktveranstaltung zur Innovationsstratege Land Bremen 2030 am 29. Oktober 2020 wurde klar: Bremens Stärken liegen in seiner Vielfalt – um sie geschickt zu nutzen, müssen viele Fäden zusammengeführt werden.

Kristina Vogt, Senatorin für Wirtschaft, Arbeit und Europa, begrüßte 150 Akteure aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft mit der Ankündigung, in der Innovationsstrategie 2030 Akzente zu setzen, die weit über die aktuelle Krise hinausweisen. „Innovationen durchdringen nicht nur alle Bereiche der Wirtschaft, sondern auch das soziale Leben und führen zu neuen Formen der Arbeit. Daher ist es wichtig, Innovationsprozesse mit den Beschäftigten gemeinsam zu gestalten“, so Vogt.

Bremen breit aufgestellt

„Bremen ist sehr breit in seinen Forschungs- und Innovationsaktivitäten aufgestellt, das ist in anderen Bundesländern nicht so stark ausgeprägt“ – mit diesen Worten fasste Dr. Gerd Meier zu Köcker, Leiter des Instituts für Innovation und Technik (iit) aus Berlin, zentrale Ergebnisse der Bestandsaufnahme zur Innovationslandschaft in Bremen zusammen.

Neben den starken Clustern wie der regenerativen Energiewirtschaft, der maritimen Wirtschaft und Logistik, Luft- und Raumfahrt seien auch die Themen Maschinenbau, Umwelttechnologie oder die Gesundheitswirtschaft bedeutend bei den Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten im Bundesland vertreten.

Hinzu kommt eine breite Diversifizierung bei den Schlüsseltechnologien, also Technologien, die über Branchen hinweg eine hohe Relevanz haben. Dazu gehören etwa die Künstliche Intelligenz, Robotik, Digitalisierung, unternehmensnahe Dienstleistungen sowie – ein überraschendes Ergebnis – die Mess- und Simulationstechnik. Diese Kombination ist einmalig für Bremen und ein großer Vorteil des Standorts, so das fachliche Urteil des Experten.

Mit diesem Einblick in die Bestandsaufnahme startet der partizipative Prozess zur Erarbeitung der Bremer Innovationsstrategie mit Blick auf das Jahr 2030.

Wissenstransfer stärken

Was bedeuten diese Ergebnisse für Bremen? Welche Themen werden in Zukunft relevant? Und welche Mittel, Methoden und Unterstützung brauchen Wissenschaft und Forschung, um wettbewerbsfähig zu bleiben?

Gerade die letzte Frage enthalte einen wichtigen Aspekt für das Bundesland Bremen – das Zusammenspiel aus Wissenschaft und Wirtschaft. Zu diesem Schluss kommt Hans Georg Tschupke, Abteilungsleiter der Abteilung 4 - Innovation, Industrie, Digitalisierung der Senatorin für Wirtschaft, Arbeit und Europa. „Unternehmen, die im Universitätsumfeld gegründet wurden und dann wuchsen, sind ganz typisch für Bremen. Der Transfer von der Wissenschaft in die Wirtschaft findet besonders über wissensintensive Dienstleistungen statt. Das ist für die Innovationsfähigkeit Bremens von zentraler Bedeutung“, so Tschupke.

In den vergangenen Jahren sei die erfolgreiche branchenbezogene Clusterpolitik durch einen Fokus auf sogenannte Schlüsseltechnologien ergänzt worden. Hier gelte es, den Transfer quer zu den Branchen auszubauen, da an den Schnittstellen viele der wichtigen und innovativen Ideen entstünden. Das hieße aber nicht, die bewährten Cluster aufzugeben, so Tschupke, Innovationen im Dienstleistungsbereich und in Industriebereich würden sich in Zukunft eher vermischen, die Grenzen fließender werden.

Ein Beispiel sei der Bremer Raumfahrtkonzern OHB, der nicht mehr nur Satelliten baue, sondern auch daran arbeite, aus Satellitendaten digitale Geschäftsmodelle abzuleiten – also künftig sowohl Industrieunternehmen als auch Dienstleister sei.

Diese Entwicklung müsse sich in einer künftigen Innovationsstrategie wiederspiegeln, so Tschupke. Dazu gehöre auch, die Mitarbeiterschaft in den Bremer Unternehmen mitzunehmen. „Digitalisierung ist kein Selbstzweck, wir müssen die Menschen einbinden und das Potenzial nutzen, um wettbewerbsfähig zu bleiben“, führt er aus. Dazu gehöre auch eine enge Zusammenarbeit mit den Sozialpartnern, wie sie etwa bei den Runden Tischen für Luft und Raumfahrt sowie der Nahrungsmittelindustrie bereits erfolgreich praktiziert würde.

Blick in ausgewählte Themen für den Strategieprozess

Neben diesen allgemeinen Entwicklungen in der bremischen Forschungs- und Entwicklungslandschaft legte die Auftaktveranstaltung Wert auf ausgewählte Themen, die im weiteren Strategieprozess vertieft werden sollen. Hierzu ging die Moderatorin, Simone Neddermann, ins Gespräch mit Expertinnen und Experten, die auch auf Fragen aus dem Onlinepublikum eingingen.

Windenergie / Regenerative Energien

Bei den regenerativen Energien sieht Nils Schnorrenberger, Geschäftsführer der BIS Bremerhavener Gesellschaft für Investitionsförderung und Stadtentwicklung mbH, neben Trends im Bereich vom Rückbau von Windkraftanlagen vor allem den Bereich der Speichertechnologien als wachsendes Forschungsthema. Es käme in der Forschung zu einem Paradigmenwechsel, vor allem durch die aufkommende Wasserstoffwirtschaft. Hier sei der Forschungsbedarf sehr hoch, gleichzeitig fehle es aber auch an geeigneten Infrastrukturen, wie zum Beispiel Netzwerken, Testfeldern oder Fördermöglichkeiten, um in die Prototypenentwicklung zu investieren.

Auch die Stadt Bremen selbst hat einen großen Bedarf an Wasserstoff. 50 Prozent des Bremer CO2-Ausstoßes entstammt dem Bremer Stahlwerk, die Defossilisierung der Industrie sei deshalb ein wichtiger Schritt zur Senkung des CO2-Ausstoßes, bestätigt Dr. Torben Stührmann, wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Fachgruppe Resiliente Energiesysteme an der Universität Bremen.

Rund ein Gigawatt an Elektrolyse-Leistung würde allein für die Stahlwerke gebraucht – eine enorme Zahl, Deutschlands größte Projekte umfassen derzeit zum Vergleich lediglich acht Megawatt. Neben Elektrolyseuren gelte es in Bremen auch, die Infrastruktur auszubauen. All diese Prozesse sind langfristig auf mehr als zehn bis zwanzig Jahre angelegt. „Wir werden zunächst mit kleineren Projekten beginnen, eingebettet in nationale oder EU-weite Strategien“, ergänzt Tschupke. Die norddeutsche Wasserstoffstrategie ist ein Beginn dieser Entwicklung.

Zukunftsorte

Innovationspolitik bräuchte Zukunftsorte, die Raum für Gestaltung lassen, erläuterte Tschupke . „Eine Gründungskultur braucht passende Flächen, bei denen heute noch nicht genau erkennbar ist, was sich entwickelt“, sagt er. Das im Aufbau befindliche Digital Hub Industry sei so ein Ort, der zugleich vom sehr erfolgreichen Technologiepark an der Universität Bremen profitiere. Hier würden Fachkräfte aus Wissenschaft und Wirtschaft zusammentreffen und Innovationen ermöglichen.

Der Flächenbedarf für Logistik müsse hingegen sehr differenziert im jeweiligen unternehmerischen Umfeld betrachtet und in Kooperation mit dem Umland gelöst werden. Im Gewerbeentwicklungsprogramm 2030 der Stadtgemeinde Bremen werden diese Aspekte aufgegriffen werden.

Ein weiteres wichtiges Zukunftsprojekt ist das Gewerbegebiet für Green Economy auf der Lune Plate in Bremerhaven. Besonders für innovative Unternehmen in der Umwelt- und Klimaschutztechnik bietet es hervorragende Voraussetzungen, führte Dr. Saskia Greiner von der BIS Bremerhaven aus.

Soziale Innovationen

„Soziale Innovationen unterscheiden sind nicht grundsätzlich von technischen. Vielfach entstehen soziale sogar aus technischen Innovationen“, erklärte Dr. Uwe Wunder, Leiter des Social Impact Labs Bremen. Soziale Herausforderungen mit unternehmerischem Hintergrund anzugehen sei der Kern des Sozialunternehmertums. Das habe in Bremen Potenzial, wie das bundesweit erste Skalierungsprogramm im sozialen Bereich gezeigt habe. Hier plädierte Wunder für eine engere Zusammenarbeit innerhalb Bremens, wie sie gerade auch mit dem Starthaus und der WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH angegangen würde.

Digitaler Wandel mit neuen Chancen für Frauen im Arbeitsmarkt auch als Unternehmerinnen

Eine wichtige Rolle für künftige Innovationen spiele die Frauenförderung, so Lisa Ringen, Leitern des Bremer Ablegers des Digital Media Women-Netzwerks. Die digitale Automatisierung verändere Jobs im Bereich der Dienstleistung und der Verwaltung, viele monotone Arbeiten fielen weg, dafür wären kommunikative, empathische Kompetenzen stärker gefragt. Auf diesen Wandel der Arbeitswelt seien Frauen gut vorbereitet, so Ringen.

Vielfach seien Forschungs- und Entwicklungsstrukturen aber noch männlich geprägt. Im Bereich der künstlichen Intelligenz seien zum Beispiel nur 16 Prozent der Beschäftigten weiblich. Hier bräuchte es noch bessere Bildungsangebote für Frauen.

Nicht allein auf Frauen bezogen sei der Wunsch vieler junger Menschen, so Ringen, stärker unternehmerische Verantwortung zu übernehmen – hier müssten Unternehmen künftig Wege finden, Fachkräften mehr Raum zur Entfaltung zu lassen, was wiederum Innovationen hervorbringe. Ausblick

Anknüpfen an bisherige Stärken und gemeinsam Transformationsprozesse gestalten– so könnte man wohl den Tenor der Auftaktveranstaltung zur Innovationsstrategie zusammenfassen.

Damit dies gelingt, beginnt jetzt der partizipative Prozess mit Expertinnen- und Experteninterviews, Strategiewerkstätten und Workshops, bei denen Akteure aus Wirtschaft, Wissenschaft, Netzwerken und Gesellschaft eingebunden werden. Aus diesem intensiven Arbeitsprozess erwachsen bis März kommenden Jahres die Eckpunkte der Bremer Innovationsstrategie Land Bremen 2030, die im Anschluss durch die politischen Gremien abgestimmt werden sollen.

Wenn Sie diesen Prozess verfolgen wollen, schauen Sie in regelmäßigen Abständen hier auf der Seite vorbei: https://www.bremen-innovativ.de/innovationsstrategie-2030/ oder melden Sie sich bei der Ansprechpartnerin (s. Seitenleiste).

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Caroline Privat

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