Gewerbeentwicklungsprogramm 2030 (GEP 2030)

Die bremische Wirtschaft hat sich in den vergangenen Jahren außerordentlich positiv entwickelt. Hierzu hat das im Jahr 2013 beschlossene Gewerbeentwicklungsprogramm 2020 (GEP 2020) einen maßgeblichen Beitrag geleistet.

Erfolgreicher Auftakt des Zukunftsdialogs

Bremen beschreitet neue Wege in der Gewerbeflächenentwicklung: Erstmals wird das Gewerbeentwicklungsprogramm (kurz: GEP) in einem breit angelegten Dialog mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Verwaltung, Unternehmen, Verbänden sowie Fachöffentlichkeit und mit Unterstützung externer Gutachter erarbeitet. Den Startschuss bildete die Auftaktveranstaltung am 5. November 2019 im Ecos Office Center am Teerhof. Der Einladung der Senatorin für Wirtschaft, Arbeit und Europa Kristina Vogt folgten rund 120 Bremer Schlüsselakteure.

Moderator Frank Schlegelmilch vom Bremer Büro BPW stellte den Bearbeitungsprozess für das GEP vor. Die Auftaktveranstaltung soll dazu dienen, vor allem die Unternehmerschaft von Anfang an einzubinden und Anregungen aufzunehmen. In den nächsten Monaten werden Fachdialoge zu unterschiedlichen Schwerpunkten weitere Gelegenheiten zur Mitgestaltung bieten.

In einem Impulsvortrag warf Prof. Dr. Guido Spars von der Bergischen Universität Wuppertal einen Blick auf Trends und Lösungsansätze der Gewerbeentwicklung in anderen wachsenden Städten. Besonders die Strategie der Stadt Wien zur Sicherung und Entwicklung von Flächen für die Arbeit in der Stadt scheint erfolgsversprechend: „Politik und Bevölkerung akzeptieren und begrüßen die Ideen des Fachkonzeptes. Die Zonierung wirkt gut, schafft Klarheit und stößt neue Ideen an. Preisspekulationen gehen zurück.“

Simone Geßner von der Senatorin für Wirtschaft, Arbeit und Europa lenkte gemeinsam mit Sandra Wagner-Endres vom Difu und Dr. Arne Sünnemann von der Senatorin für Klimaschutz, Umwelt, Mobilität, Stadtentwicklung und Wohnungsbau den Blick auf Bremen: "Das GEP 2020 hat einen wesentlichen Beitrag zur positiven Entwicklung der letzten Jahre geleistet. Zurzeit ist Bremen eine wachsende Stadt. Dabei ist die Zahl der Arbeitsplätze in den letzten Jahren stärker gewachsen als die Einwohnerzahl. Die gewerbliche Entwicklung erfolgt daher in einem engen Schulterschluss zwischen den Ressorts Stadtentwicklung und Wirtschaft. Bremen ist ein starker Standort des produzierenden Gewerbes. Gleichzeitig müssen junge Menschen zum Bleiben und zur Existenzgründung bewegt werden.“

In vier Workshops zu den Themen Weiterentwicklung von Bestandsgewerbegebieten, urbane Produktion in einer Produktiven Stadt, Logistik von Morgen und Orte für Wissenschaft und forschungsnahe Unternehmen kamen die Gäste zu Wort und lieferten wertvolle Hinweise für das GEP 2030.

Workshops und anschließende Podiumsdiskussion

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Weiterentwicklung von Bestandsgebieten
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Urbane Produktion in einer produktiven Stadt
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Logistik von Morgen
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Orte für Wissenschaft und forschungsnahe Unternehmen
In einer anschließenden Podiumsdiskussion schilderten Bremer Schlüsselakteure aus den Bereichen Kreativwirtschaft, Handwerk, Logistik und Handel ihre Sicht auf den Wirtschaftsstandort Bremen. Ralph Sandstedt von der GVZ Entwicklungsgesellschaft betonte, dass „für Unternehmenskooperationen die räumliche Nähe entscheidend ist. Dazu können der Ringschluss der A 281 und ausreichende Flächenangebote im Gebiet einen Beitrag leisten.“ Für Dr. Heinz Kierchhoff, Geschäftsführer der team neusta GmbH in der Überseestadt, müssen im GEP2030 neben Quantitäten vor allem auch Qualitäten für Wirtschaftsflächen definiert werden. „Qualität bedeutet in dem Zusammenhang auch flexible Flächennutzung.“

Paula Eickmann vom Sozialunternehmen weserholz in Walle berichtet „Als junges Unternehmen war es schwierig, einen Standort zu finden, der bezahlbar, zentral gelegen und im Stadtteil sichtbar ist.“ „Dieser Einschätzung kann sich Matthias Winter von der Kreishandwerkerschaft Bremen anschließen: „Handwerk braucht kleine Gewerbeflächen, möglichst im Eigentum und in Kundennähe.“
Für Dr. Kai Brüggemann, Präsident des Industrie-Club Bremen, ist es wichtig, auch über die Landesgrenze hinaus zu denken. „Bremen verfügt zudem über bedeutende wissenschaftliche Forschungseinrichtungen. Dies muss noch stärker nach außen kommuniziert werden.“ Dr. Dirk Kühling, Abteilungsleiter Wirtschaft bei der Senatorin für Wirtschaft, Arbeit und Häfen, bedankt sich für die wertvollen Anregungen: „Wir haben vor allem gelernt, dass wir bei der Gewerbeentwicklung mit den Unternehmen sprechen müssen.“

Dazu wird es bald die nächste Gelegenheit geben, ein Fachdialog zum Thema Logistik ist für den 28. Januar 2020 geplant. Die Dokumentation der Auftaktveranstaltung sowie weitere Informationen zum Prozess werden auf der Projekthomepage gep2030.bremen.de zur Verfügung gestellt.

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Was muss Bremen tun? Reflexion der Erkenntnisse aus den Fachbeiträgen und den Workshops im Gespräch mit dem Impulsreferenten und bremischen Unternehmen:
(Von links nach rechts) Ralph Sandstedt (GVZ Entwicklungsgesellschaft und Sandstedt Feinkost Manufaktur), Dr. Heinz Kierchhoff (team neusta GmbH), Paula Eickmann (weserholz), Matthias Winter (Kreishandwerkerschaft Bremen und Tischlerei Winter), Dr. Kai Brüggemann (Industrieclub Bremen), Prof. Dr. Spars (Bergische Universität Wuppertal)

Damit Bremen als Wirtschaftsstandort weiterhin wachsen kann, bedarf es der Fortschreibung des Gewerbeentwicklungsprogramms mit dem Zeithorizont 2030 (GEP 2030).

Dies soll erstmalig durch einen partizipativen Entwicklungs- und Kommunikationsprozess unter Beteiligung der Fachöffentlichkeit erfolgen. Zur Unterstützung des Prozesses wurde das Büro für Stadt- und Regionalplanung BPW baumgart+partner und das Deutsche Institut für Urbanistik (difu) eingebunden.
Ergänzend sollen drei vertiefende thematische Studien beauftragt werden, die den GEP-Begleitprozess zu folgenden Themenstellungen der nachhaltigen Gewerbeentwicklungspolitik für Bremen-Stadt flankieren sollen:

  • „Weiterentwicklung der Logistik im GEP 2030 sowie zur Bedeutung der Logistik und von Logistikimmobilien in Bremen“
  • „Nachverdichtungspotentiale in Gewerbegebieten mit vertiefender Betrachtung des Technologieparks Bremen und der Airport-Stadt Bremen“
  • „Gründungen und Startups in Bremen, Flächen- und Immobilienbedarfe für die Zukunft“
Das GEP 2030 wird einen wesentlichen Baustein zur nachhaltigen Stadtentwicklung liefern. Ziel ist es, die gewerbliche Entwicklung vor dem Hintergrund einer zunehmenden Flächenkonkurrenz mittels einer vorausschauenden Handlungsstrategie abzusichern. Die Gewerbeentwicklung soll den guten Wachstumspfad der vergangenen Jahre verstetigen.

Das GEP befasst sich dabei mit den Themen Bestandspflege und -entwicklung, Binnenentwicklung und Nachverdichtung, Verzahnung von Wirtschaft und Wissenschaft, Raum für Innovationen sowie mit attraktiven Dienstleistungsstandorten und großen Stadtentwicklungsprojekten. Gleichzeitig erfordert die Flächenkonkurrenz neue Wege in der Stadtentwicklungsplanung, die auch die Gewerbeentwicklungsplanung betrifft. Themen wie die Produktive Stadt und Urbane Produktion sollen daher ebenfalls im Rahmen der Neuaufstellung des GEP 2030 betrachtet werden. Es sollen neue Zukunftsorte entstehen, die Raum und Entwicklungsmöglichkeiten schaffen für digitale Unternehmen, Startups und die Kreativwirtschaft aber auch Einzelhandel und Handwerk.


Damit das GEP 2030 alle wesentlichen Aspekte der Gewerbeentwicklung berücksichtigt und eine stabile Handlungsgrundlage für die Zukunft darstellen kann, soll es durch fundierte wissenschaftliche Analysen begleitet und in einem breit angelegten Dialog mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Verwaltung, Stakeholdern und der Fachöffentlichkeit erarbeitet werden.

Nachfolgend ist der aktuelle Zeitplan zum Projekt dargelegt: