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KI zum Anfassen – das Bremer Transferzentrum Künstliche Intelligenz eröffnet

Wir alle benutzen sie jeden Tag, aber gleichzeitig wissen wir kaum etwas über sie, haben manchmal sogar Angst – oder zumindest Respekt: die Künstliche Intelligenz (KI). Sie begleitet und gestaltet unsere Zukunft. Aber sie wird auch gestaltet: von uns allen, von Menschen mit Interessen und Ideen. Sie alle finden im neuen Bremer „Transferzentrum Künstliche Intelligenz BREMEN.AI“ eine Anlaufstelle. Einen Ort, der erklärt, vorantreibt und zusammenbringt.

Im Transferzentrum trifft Technik auf Gesellschaft und ist für alle da: für Unternehmen, für Start-ups, für Schüler:innen und Studierende, für Lehrende und Lernende. Es will die Grundlagen der KI-Technik allen Interessierten vermitteln. „Wir führen hier Qualifizierungen durch, wie organisieren Workshops und Seminare. Dabei vermitteln wir die Grundlagen der KI, klären auf. Aber wir vernetzen und vermitteln auch zwischen Wissenschaft und Wirtschaft auf dem Niveau von Expertinnen und Experten“, so Inis Ehrlich, Leiterin des Transferzentrums.

Anfang Juli 2022 wurde das Transferzentrum im neuen Digital Hub Industry (DHI) feierlich eröffnet. Es könnte nicht besser passen, denn im Digital Hub Industry sitzen Start-ups, etablierte Unternehmen, die Wissenschaft und Netzwerke, die gemeinsam die Digitalisierung in Bremen vorantreiben.

Neben den Büroflächen stehen dem Zentrum hier ausgedehnte Showrooms und Seminarräume zur Verfügung, die auch für große Gruppen genügend Platz bieten. Und mit der „Fishbowl“, dem Atrium des DHI, eine zentrale Veranstaltungsfläche:

Neuer Name, mehr Programm

Bereits 2021 nahm das KI-Transferzentrum Bremen seine Anfänge auf Basis der Landesstrategie KI, die von der Bremer Senatorin für Wirtschaft, Arbeit und Europa (SWAE) vorgestellt wurde. Das Transferzentrum ist ein SWAE-Projekt, das „die kurzen Wege in Bremen zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Akteurinnen und Akteuren bestärkt“, wie Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt während der Eröffnungsfeier betonte: „Hürden und Ängste gegenüber der KI abbauen, das ist unser Ziel“.

Mit der neuen Heimat im Digital Hub Industry wächst nicht nur räumlich zusammen, was zusammengehört. Denn gleichzeitig zum Start verschmelzen auch das Transferzentrum und das vormals eigenständige Bremer KI-Netzwerk „Bremen.AI“ zu einer neuen Einheit: dem Transferzentrum Künstliche Intelligenz BREMEN.AI.

Dieser Zusammenschluss stärkt die gesamte Bremer KI-Branche. „Wir können jetzt noch zielgerichteter vorgehen, um Unternehmen, Wissenschaft und die Öffentlichkeit zusammenzubringen. Wir haben eine einheitliche Strategie und einen Ort für alle“, so Leiterin Inis Ehrlich.

Zukunftstag im Transferzentrum Künstliche Intelligenz

Und wie das geht, zeigte bereits der erste „Zukunftstag“ im Bremer KI-Zentrum. Am 7. Juli 2022 lud er Unternehmen, Institute und Initiativen aus Bremen dazu ein, interessierten Schüler:innen und Studierenden einen Tag lang die ganze Bandbreite der Technologie zu zeigen.

Rund 300 Besucher:innen bestaunten Roboter, AR/VR-Brillen oder autonome Fahrzeuge im großen und kleinen Maßstab. „Für viele ist das der erste echte Kontakt mit Technologien, die sie sonst nur versteckt im Handy kennen. Wir wünschen uns, dass wir bei ihnen das Interesse wecken, später einmal in diesen Bereich einzutauchen, bei einem Studium oder in der Ausbildung“, so Zentrumsleiterin Ehrlich.

Dem stimmt etwa Roland Becker von Just Add Ai zu. Das Bremer Unternehmen zeigt auf seinem Stand, wie es KI für andere Unternehmen programmiert, etwa für Werder Bremen. „Das hier ist ein Ort, in dem die KI in Bremen strahlen kann“, sagt Becker. „Wir bieten immer wieder Studierenden und Schüler:innen Jobs, die uns beim Training der KIs helfen. Hier können wir schon erste Kontakte knüpfen.“

Über diese Möglichkeit freut sich auch Georg Bartels. Er ist einer der Gründer von Ubica, einem Start-up, das Roboter für den Einzelhandel konstruiert. Einer der Roboter ist an diesem Tag vor Ort, mitsamt einem Einzelhandelsregal aus einem Drogeriemarkt, welches der Roboter eigenständig abfährt und einscannt. „Die Bandbreite der Menschen, die sich für uns heute hier interessieren, ist riesig, es sind Schüler:innen, Studierende, Jobsuchende und Unternehmen hier. Als junges Unternehmen hilft uns diese große Aufmerksamkeit natürlich.“

Aber nicht nur Unternehmen stellten am Zukunftstag aus. Auch die Wissenschaft war vor Ort. Das Institute for Artificial Intelligence IAI – von dem übrigens Ubica ein Spin-off ist – zeigte eine VR-Brille. Am Eventtag konnten Schüler:innen mit ihr digital einkaufen gehen. Dabei stellte sich für viele heraus, dass es gar nicht so einfach ist, virtuell Getränkeflaschen in den Einkaufskorb zu befördern. Die Brille ist Teil des Forschungsprojekts Knowledge4Retail. „Für uns hat es große Bedeutung, unsere Forschungsergebnisse in die Öffentlichkeit und die Wirtschaft zu tragen. Heute können wir die tollen Ergebnisse unserer Arbeit allen Altersgruppen präsentieren“, so Sabine Veit, Geschäftsführerin am Institut für Künstliche Intelligenz.

Auch weitere Bremer Erfolgsgeschichten gab es vor Ort: etwa das TOPAS und die Technomathematik in Bremen. Beide hängen eng zusammen: die TOPAS Industriemathematik Innovation gGmbH ist ein Spin-off des Zentrums für Technomathematik ZeTeM. Das Ziel des jungen Unternehmens ist es, optimierte, assistierte, hoch-automatisierte sowie autonome Systeme in die Wirtschaft zu bringen. Es schafft damit den Wissenstransfer aus der Forschung der Bremer Technomathematiker:innen des ZeTeMs, die ebenfalls im Digital Hub Industry sitzen (Arbeitsgruppe Optimierung und Optimale Steuerung).

Neben diesem Institut der Universität Bremen waren auch weitere Forschungsinstitutionen am Zukunftstag vertreten: das Industrial Radio Lab, das Fraunhofer MEVIS oder das Bremer Institut für Produktion und Logistik GmbH.

Das Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Bremen zeigte die Bandbreite der Angebote rund um die Digitalisierung in Bremen - und ist einer der Netzwerkakteure im Digital Hub Industry, zu denen auch das Starthaus Bremen und Bremerhaven oder Aviaspace zählen.

Forschung gibt es aber auch in der Bremer KI-Wirtschaft. Das IT-Unternehmen Radiusmedia präsentierte etwa eine Augmented-Reality-Brille, die es unter anderem ermöglicht, virtuell durch ein Modell einer Fertigungsanlage zu gehen. „Wir arbeiten in Forschungsprojekten mit und zeigen gern, was wir dabei entwickeln. Die Schüler:innen sind sehr interessiert und freuen sich, etwas ausprobieren zu können“, so Hongwei Xiao, technische Leiterin bei Radiusmedia.

Auch weitere Bremer Unternehmen schlossen sich diesem Urteil an – wie Teamviewer, Aimpulse, XTL, WasteAnt, Cellumation, das Dock.One, das Innovationslabor vom Maschinenbauer Lenze.

Mehr Frauen in die IT – ein zentrales Anliegen des Transferzentrums

Hongwei Xiao ist an diesem Tag längst nicht die einzige Frau vor Ort – dennoch in der Minderheit. Nur 28 Prozent aller Beschäftigten in der Bremer Digitalbranche seien Frauen, im Kernbereich der IT seien es sogar nur 16 Prozent. Ein viel zu geringer Wert, so Bettina Wilhelm, Bremer Landesbeauftragte für Frauen. Sie ist eine von vier Rednerinnen, die zur offiziellen Eröffnung des Transferzentrums an einer Podiumsdiskussion teilnahmen.

„Junge Mädchen haben viele wichtige Fertigkeiten für die IT, trauen sich aber oft zu wenig zu. Es fehlt ihnen an Vorbildern“, bestätigt auch Dr. Vanessa Just, Gründerin der juS.TECH AG und unter anderem Vorstandsmitglied des KI-Bundesverbands. Orte wie das Transferzentrum können helfen, das Interesse und die Neugier von Mädchen und Frauen für die IT zu bestärken.

Die Förderung von Frauen in der IT sei dabei durchaus kulturell geprägt, stellte Dr. Teena Hassan auf der Podiumsdiskussion fest. Für die gebürtige Inderin waren Mathe und Informatik „frauenfreundliche Fächer“, bevor sie mit 26 Jahren nach Deutschland kam und das Gegenteil erlebte. „In Indien ermöglichen sie Frauen den sozialen Aufstieg. Ich würde mir auch mehr Förderung in Deutschland wünschen.“ Die KI-Expertin forscht an der Universität Bremen. Vom Transferzentrum erwartet sie sich eine engere Verbindung von Wissenschaft und Wirtschaft und größere Aufmerksamkeit für KI- und Robotikthemen in der Öffentlichkeit.

Mit diesen Erwartungen ist sie nicht allein. „Stellt Großes auf die Beine, damit die KI in Bremen strahlen kann“, wünschte sich auch Roland Becker, Initiator von Bremen.AI und Beiratsmitglied zum Abschluss. Dem Wunsch ist wohl nichts mehr hinzuzufügen.

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