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Wie eine Fleischerei dem Fachkräftemangel trotzt

Im Handwerk herrscht Fachkräftemangel. Im Fleischerfachgeschäft der Familie Ripken ist der Personalbedarf hingegen mehr als gedeckt. Das Erfolgsgeheimnis: ein überwundener Familienkonflikt, zufriedene Mitarbeitende und die Zusammenarbeit mit Maren Ulbrich von „Handwerksmensch“.

In jedem Familienbetrieb kommt irgendwann der heikle Moment, in dem über die Unternehmensnachfolge entschieden werden muss. Dass solche Generationenwechsel häufig nicht reibungslos über die Bühne gehen, weiß Katrin Ripken aus eigener Erfahrung. Vor zwanzig Jahren gaben die Eltern ihres Mannes Frank den Familienbetrieb an die nächste Generation weiter. Frank Ripken, dessen älterer Bruder und die beiden Ehefrauen übernahmen die Fleischerei zu viert. Die beiden Senioren setzten sich allerdings nicht zur Ruhe, sondern halfen weiter aus. „Wir waren also plötzlich sechs Häuptlinge, die alle mitreden wollten“, erzählt Katrin Ripken lächelnd.

Schwelender Konflikt

Als die Probleme über die Jahre zunahmen, entschied die Familie, dass es so nicht weitergehen konnte. „Unsere Strukturen waren festgefahren, die Mitarbeiter fühlten sich gestresst und die Konflikte in der Familie drohten weiter aufzubrechen“ erinnert sich Katrin Ripken. 2018 holte die Unternehmerin deshalb Maren Ulbrich an Bord, die sie einige Monate zuvor bei einem Vortrag live erlebt hatte. Maren Ulbrich, Inhaberin der Unternehmensberatung Handwerksmensch, hat sich auf zukunftsfeste Personalstrukturen in Handwerksbetrieben spezialisiert. Mit ihrem Team sorgt sie „für zufriedene, gesunde und motivierte Mitarbeiter sowie entspannte Inhaber, um die Betriebe zukunftsfest aufzustellen“, wie sie im Video-Podcast „Menschen, Arbeit, Zukunft“

Aus Skepsis wird Offenheit

„Wir beraten offline und online Handwerksbetriebe unterschiedlicher Größe in ganz Deutschland“, erklärt Maren Ulbrich weiter. Dabei gehe es immer um die Ressource Mensch: Mitarbeitende, Auszubildende, Führungskräfte sowie Inhaberinnen und Inhaber. „Wir gestalten Prozesse neu, überdenken Arbeitszeitmodelle, coachen Führungskräfte und führen auch Mediationen innerhalb der Inhaberfamilien oder zwischen Mitarbeitenden durch“, so die Gründerin.

Wie es bei Handwerksmensch üblich ist, startete auch die Zusammenarbeit mit der Fleischerei Ripken mit einem kostenlosen Erstgespräch. Was folgte, war eine intensive Zusammenarbeit, die bis heute andauert. Maren Ulbrich führte Gruppen- und Einzelgespräche mit der Inhaberfamilie und den Beschäftigten. Anfangs seien viele skeptisch gewesen, erinnert sich Katrin Ripken, aber mit jedem Gespräch sei die Atmosphäre offener geworden. „Unsere Mitarbeiter haben bemerkt, dass sie wertgeschätzt werden und sie Veränderungen anstoßen können, von denen sie selbst profitieren.“ In einem langwierigen Prozess seien so festgefahrene Strukturen aufgebrochen und Unstimmigkeiten in der Familie und im Team aufgelöst worden.

Schlechte Stimmung hält Fachkräfte fern

Warum ist es so wichtig, innerbetriebliche Konflikte anzupacken? Weil ein schlechtes Betriebsklima das Problem des Fachkräftemangels für die betroffenen Betriebe verschärfe, meint Maren Ulbrich. „Konflikte in den Inhaberfamilien, im Team oder mit den Führungskräften sprechen sich herum und machen Unternehmen für Fachkräfte unattraktiv“, erklärt die Expertin. Aus diesem Grund helfe Handwerksmensch dabei, die Schmerzpunkte in Betrieben aufzudecken und zu bearbeiten – unter anderem mithilfe von Gesprächen oder Workshops.

Das Team der Fleischerei Ripken sammelte zum Beispiel bei einem Teamworkshop Ideen für die Zukunft. Die Mitarbeitenden erarbeiteten gemeinsam Visionen, von denen einige bereits Realität geworden ist. So hat der Familienbetrieb einen Webshop eingeführt, neue Produkte auf den Markt gebracht und ist heute auch auf diversen Social-Media-Kanälen präsent. Bestellungen können die Kundinnen und Kunden online oder auch über WhatsApp aufgeben. Etabliert wurden außerdem regelmäßige Teammeetings, um die Kommunikation zu verbessern.

Personalbedarf mehr als gedeckt

Diese Veränderungen haben laut Katrin Ripken neben zufriedeneren Mitarbeitenden und Kundinnen und Kunden einen weiteren positiven Effekt: Während andere Betriebe händeringend nach Fachkräften suchen, ist der Personalbedarf bei der Fleischerei Ripken aktuell mehr als gedeckt. Der Bewerbendenstrom, erläutert Maren Ulbrich, funktioniere in diesem Fall von selbst, weil eine attraktive Arbeitgebermarke geschaffen worden sei. „Die Bewerber sehen das ansprechende Corporate Design, die modernen Bestellfunktionen sowie die Auszeichnungen und all das macht den Betrieb für sie attraktiv.“ Dabei bezieht sie sich auf das Zertifikat „Zukunftsfest“, das dem Familienbetrieb 2020 vom Land Niedersachsen verliehen wurde.

Doch trotz dieser Erfolge ist der Modernisierungsprozess in der Fleischerei Ripken noch nicht abgeschlossen. Das liegt laut Katrin Ripken auch daran, dass Veränderungen mittlerweile zum Alltag gehören. „Nur wer flexibel und modern ist, wird sich auf dem Markt durchsetzen und auch in Zukunft für Fachkräfte attraktiv bleiben“, ist sie überzeugt. Außerdem bereiten sich Katrin und Frank Ripken auf eine große Herausforderung vor. Mit der Unterstützung von Maren Ulbrich spielen sie schon jetzt verschiedene Szenarien für die Firmenübergabe durch – und beziehen dabei auch offen und transparent ihre beiden Söhne ein. Gemeinsam bereiten sie den nächsten Generationenwechsel vor, der diesmal ohne Konflikte über die Bühne gehen soll.

Ein Modell, das auch für Unternehmen in der Hansestadt Bremen vorbildlich ist. Denn auch hier steht das Handwerk vor großen Herausforderungen. Generationenwechsel und Fachkräftebedarf stellen die Betriebe vor Hürden, wie auch die Handelskammer Bremen feststellt. Neben der Beteiligung an einer der zahlreichen Bremer Initiativen, welche Auszubildende und Betriebe zusammenbringen, sind moderne Betriebsstrukturen und hohe Flexibilität ein Voraussetzung dafür, künftig attraktiv für junge Menschen zu sein – wie es die Fleischerei Ripken vormacht.

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