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Ausbildung bei Mercedes-Benz – wie Bremens größter Arbeitgeber in der Corona-Krise Nachwuchs findet

Mercedes-Benz Werk Bremen, Bild: Daimler

Wie gewinnt man junge Menschen für eine Ausbildung in Coronazeiten? Wie geht ein Konzern mit wandelnden Anforderungen an die Ausbildung um, in einer Zeit, in der sich das Automobil so schnell verändert wie nie zuvor?

Anja Oden ist Leiterin der Ausbildung im Mercedes-Benz Werk Bremen – Bremens größter Arbeitgeber mit rund 12.500 Angestellten. Im Gespräch über die Herausforderungen durch die Corona-Krise und wandelnde Berufsbilder.

Frau Oden, wie hat sich die Corona-Pandemie auf die Ausbildung und die Nachwuchsrekrutierung im Werk Bremen ausgewirkt?

Anja Oden: Wir sind normalerweise sehr intensiv mit den Schulen in Kontakt, um schon frühzeitig potenzielle Auszubildende für technische Berufe begeistern zu können. Je enger die Kooperation mit den Schulen und Eltern ist und je mehr Kontakte wir auf Messen haben, desto mehr potenzielle Azubis können wir ansprechen.

Die größte Herausforderung in der Corona-Pandemie war der fehlende Kontakt zu unserer Zielgruppe. Wir konnten leider nicht vor Ort in den Schulen und auf Messen sein – daher mussten wir digitale Alternativen entwickeln. Das haben wir auch gemacht und das Format wird von den Schülerinnen und Schülern gut angenommen. Allerdings ersetzen diese den realen Austausch vor Ort leider nicht komplett. Berufsorientierung findet vor allem live statt, auf Messen, in Schulen und mithilfe von Praktika. Und die Eltern müssen einbezogen werden, denn gerade in der Generation Alpha spielen sie eine zentrale Rolle als Berater.

Wie sahen diese digitalen Alternativen aus?

Anja Oden: Im vergangenen Jahr haben wir zum Beispiel viel mit digitalen Messeformaten gearbeitet, etwa virtuelle Messestände, an denen sich interessierte Jugendliche über unser Ausbildungsangebot informieren und sich dazu mit uns austauschen können.

Ohne direkten Kontakt in den Schulen - wie haben sie Schülerinnen und Schüler für diese digitalen Formate begeistern können?

Anja Oden: Das war eindeutig die größte Herausforderung. Wir wollen unserer Zielgruppe dort begegnen wo sie sich aufhält – unsere Social-Media-Kanäle, Facebook und Instagram: @daimlercareer, bieten die Möglichkeit, in Echtzeit einen direkten Einblick ins Unternehmen und den Arbeitsalltag der Beschäftigten und Auszubildenden zu geben.

Gehen Sie mit fallenden Inzidenzen wieder zum Business-As-Usual über? Was nehmen Sie aus dem vergangenen Jahr mit?

Anja Oden: Die digitalen Formate werden gut angenommen, das wollen wir beibehalten. Gleichzeitig versuchen wir aber natürlich, sobald es wie möglich wieder auf Präsenz-Messen zu gehen und in Schulen vor Ort zu sein. Es wird also ein hybrides Marketingmodell sein.

Die Autobranche verändert sich derzeit rapide, so ziemlich jeder Hersteller führt elektrische Fahrzeuge ein. Wie wirkt sich der Wandel zur Elektromobilität auf das Ausbildungsangebot aus?

Anja Oden: Wir überprüfen kontinuierlich unser Berufsportfolio und die Ausrichtung unserer Ausbildungsberufe und reagieren auf aktuelle Entwicklungen. So entstanden auch neue Berufe wie der „Fachinformatiker/in für digitale Vernetzung“, den wir jetzt erstmalig ausschreiben. Oder der Schwerpunkt „Hochvolttechnik“ im Bereich Mechatronik und Elektronik. Beide Ausbildungsberufe stehen im unmittelbaren Zusammenhang mit den Bedarfen des Werkes.

Sind die Schulen darauf vorbereitet, diese Veränderung mitzugehen?

Anja Oden: Wir sind auf gute Kooperation mit den Schulen angewiesen. Viele Bildungsträger sind sehr engagiert. Ich habe großen Respekt davor, was Schulen leisten und großes Interesse an einer guten Zusammenarbeit.

Die Berufsschulen können aber in bestimmten Bereichen noch schneller werden. Anpassungsprozesse in Berufsbildern haben früher lange gebraucht und das war damals auch okay so. Aber die Digitalisierung beschleunigt Veränderungen exponentiell – darum müssen wir hier mehr Geschwindigkeit aufbauen.

Wie sieht die Kooperation für neue Berufsbilder konkret aus?

Anja Oden: Wir haben ein duales Bildungssystem, das geht nur gemeinsam. Die Schule liefert die Theorie, wir die Praxis und beides muss zusammenpassen und den Vorgaben der Ausbildungs- bzw. Prüfungsordnung entsprechen. Darüber hinaus gibt es eine enge Zusammenarbeit zwischen unseren Ausbildungs-Meisterinnen und -Meistern und dem Lehrpersonal, das funktioniert wirklich sehr gut. Und es gibt immer wieder gemeinsame Projekte mit Schulen und anderen Bildungsinstitutionen. Gerade zum Beispiel ein Projekt, in dem unsere weiblichen Auszubildenden und Dualstudentinnen als role models an Schulen gehen, um dort Mädchen für technische Berufe zu begeistern.

Ausbildung und Nachwuchsförderung ist auch eine Standortfrage. Sie arbeiten mit bremischen Behörden zusammen in den Themen Ausbildung und Frauenförderung – wie bewerten Sie das bremische Engagement?

Anja Oden: Es hat sich in den letzten Jahren viel getan – ein tolles Beispiel ist der Stammtisch für Personalverantwortliche. Man merkt, dass die Politik hier deutlich näher am Bedarf in der Praxis ist und das ist wichtig. Das Thema lebt vom Diskurs.

Sie haben gerade schon einen starken Fokus auf die Förderung von Frauen angedeutet. Wie gehen Sie im Bremer Mercedes-Benz Werk das Thema Frauen/Mädchenförderung an?

Anja Oden: Das Thema ist uns sehr wichtig. Wir möchten gerne mehr Meisterinnen in der Produktion haben. Dabei begleiten wir Frauen sehr konsequent von der Ausbildung über den Facharbeiterinnen-Status bis hin zur Meisterprüfung und dann weiter in der Führungsrolle als Meisterin. Und es gibt viele Ansätze bei uns in der Ausbildung, um unsere weiblichen Azubis gezielt weiterzuentwickeln. Ganz entscheidend sind und bleiben für mich die weiblichen Vorbilder. Wir brauchen Frauen in Führungspositionen, als Ausbildungs- und Projektleiterinnen, die vorleben, was alles möglich ist.

Frau Oden, vielen Dank für das Gespräch!

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Im Gespräch mit Anja Oden, Leiterin Ausbildung & Training im Mercedes-Benz Werk Bremen, über Ausbildung in der Corona-Krise, neue Berufsbilder und den Einfluss von Social Media.