3D-Druck in Bremen – wie Unternehmen ganz vorne mit dabei sind

von Karin Diederich
„Bremen ist eine Keimzelle des industriellen 3D-Drucks“, sagte Martin Günthner, Senator für Arbeit, Wirtschaft und Häfen in seinem Grußwort zum Bre3D-Forum Mitte Juni 2016 und machte damit klar: Bremen spielt als Kompetenzzentrum der additiven Fertigung vorne mit. Die Bremer Stärken liegen dabei vor allen in den Bereichen Bionik, Material und Prozesse. Mit dieser Ausrichtung nimmt Bremen eine Schlüsselrolle im norddeutschen Raum ein.

Ein wichtiger Innovationstreiber für die additive Fertigung ist dabei die Luft- und Raumfahrt. Bremen ist mit rund 120 ansässigen Unternehmen, darunter Airbus, die ArianeGroup sowie OHB, ein internationales Zentrum der Branche. Für diese Unternehmen ergeben sich durch die neuen Fertigungsmöglichkeiten völlig neue Chancen und Herausforderungen, wie Dr. Hubertus Lohner von Airbus während des Forums verdeutlichte.

Neben Airbus forschen auch universitäre Institute an der additiven Fertigung. Zu ihnen gehören etwa das Fraunhofer IFAM, das Leibniz-Institut für Werkstofforientierte Technologien, das BIAS - Bremer Institut für angewandte Strahltechnik , das Faserinstitut Bremen e.V. (FIBRE) oder das ISEMP-Institut. Ergänzend dazu gesellen sich das Bionik-Innovations-Centrum der Hochschule Bremen sowie das Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven mit seinem Forschungsprojekt zu bionischen Leichtbau (ELiSE).

In vielen Industrieprozessen ist der industrielle 3D-Druck bereits Alltag

Neben der Luft- und Raumfahrt findet die additive Fertigung aber auch in anderen Branchen zunehmend Anwendung, beispielsweise in der Medizintechnik, der Automobil- oder der Nahrungsmittelindustrie. Das breite Anwendungsspektrum wurde auch bei dem Innovationsforum „Bre3D“ deutlich. So verwies Dr. Dennis Wachtel auf die Vorteile, die sich durch industrielle 3D-Druck-Verfahren in der Medizintechnik ergeben. Wachtel ist Leiter des Produktmanagements bei der BEGO Bremer Goldschlägerei, einem Unternehmen, das bereits in der fünften Generation geführt wird und 3D-Druck-Pionier in der Medizintechnik ist. „Ob Prothesen, Orthesen, Medikamente, Stützschienen oder Gehhilfen in der Medizin, alles muss genau auf die Bedürfnisse der Patienten angepasst werden“ so Wachtel. „Dies gilt auch für die Zahnmedizin.“ Hier bietet der industrielle 3D-Druck vielseitige Möglichkeiten, den individuellen Anforderungen der Patienten, aber auch der Zahntechniker, zu entsprechen.

Klein anfangen, um sich an die neuen Fertigungsverfahren heranzutasten

Über die Erfahrungen der Deutschen Bahn und ihren Einstieg in die Additive Fertigung berichtete Stefanie Brickwede. Brickwede ist die Leiterin des Konzernprojekt 3D bei der Bahn und Geschäftsführerin bei Mobility goes Additive, einem Verbund von Unternehmen, Institutionen und Forschungseinrichtungen, die an additiven Lösungen im Mobilitäts- und Logistiksektor arbeiten. Brickwede rät Unternehmen sich zunächst im Kleinen an die noch vergleichsweise junge Technologie heranzutasten. Bei der Bahn wurden additive Fertigungsverfahren zunächst vor allem für die Reparatur und Instandhaltung eingesetzt. „Mit Erfolg!“, wie Brickwede, mit Verweis auf das Einsparpotenzial, welches sich durch die Fertigung von Ersatzteilen bei der Deutschen Bahn ergeben habe, erklärt.

Das Potenzial des industriellen 3D-Drucks ist groß und bei Weitem noch nicht ausgeschöpft

Bei der Frage, ob sich additive Fertigungsverfahren auch für das eigene Unternehmen rentieren, kann das belgische Unternehmen Materialise helfen. Die Firma mit einem Standort im Technologiepark Bremen gehört zu den weltweit führenden 3D-Druck Unternehmen. Neben einer fundierten Beratung werden am Bremer Standort Werkstücke aus Aluminium oder Titan gedruckt.
Auch wenn sich durch den 3D-Druck bereits beachtliche Einsparpotenziale ergeben, steckt die Technologie noch in den Kinderschuhen. So zeigte Daniel Siegel vom Bremerhavener Alfred-Wegner-Institut das ELiSE-Verfahren. Es befasst sich mit der automatisierten Konstruktion von bionisch optimierten Bauteilen, wodurch in Zukunft nicht nur Gewicht, sondern auch Material und damit Kosten eingespart werden können. Bionik und 3D-Druck seien zwei Technologien, die hervorragend zueinander passten.

Auslobung des Bre3D Award

Die Bremer 3D-Druck-Geschichte ist lang. Bereits in den 80er Jahren wurde hier mit den ersten 3D-Druckern experimentiert. Das kleine Bundesland ist Vorreiter in der additiven Fertigung. Um auch neue Entwicklungen und Forschungsergebnisse zu honorieren, wurde im Sommer 2018 erstmalig der Bremer 3D-Award ausgelobt. Mit dem Bre3D-Award will das Land Bremen insbesondere mittelständischen Unternehmen die Möglichkeit bieten, im eigenen Geschäftsfeld Erfahrungen mit der Technologie der additiven Fertigung zu sammeln.
Eine Teilnahme ist bis zum Oktober 2018 möglich. Infos gibt es unter: Award-Teilnahme. Die Verleihung des Preises wird im Frühjahr 2019 in Bremen stattfinden.

Titelbild: Materialise