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Hightech-Navigation auf See – wie die Trenz GmbH aus Bremen eine Nische in der Schifffahrt erobert

Hochspezialisiert und marktführend in der Nische: Die Trenz GmbH hat sich in zwei Jahrzehnten zu einem internationalen Anbieter maritimer Navigationslösungen entwickelt. Heute liefert das Unternehmen neben Software auch Geräte für Lots:innen in mehr als 50 Länder – und arbeitet daran, seine Technologien über diesen Markt hinaus einzusetzen. 

Geschäftsführer Frank Diegel spricht mit Staatsrat für Häfen bei der Bremischen Senatorin für Wirtschaft, Häfen und Transformation, Kai Stührenberg über den ungewöhnlichen Weg von Trenz, technologische Eigenentwicklungen und die Herausforderungen eines kleinen Hightech-Unternehmens. 

Herr Diegel, Trenz startete ursprünglich in der Windenergie, arbeitet heute aber stark im maritimen Bereich. Wie kam es zu diesem Wandel? 

Frank Diegel: 2000 haben wir Software für die Windenergiebranche entwickelt. Unsere Standardsoftware „easyLogic“ wird dort bis heute eingesetzt. Allerdings war die Windenergie damals noch eine sehr junge Branche. Es war schwierig, sich mit neuen Produkten dauerhaft im Markt zu etablieren. Deshalb haben wir uns früh auch im maritimen Bereich orientiert und dort neue Geschäftsfelder aufgebaut. 

Wie sah das aus? 

Frank Diegel: Ursprünglich waren wir ein reines Softwareunternehmen mit Programmen für Lotsinnen und Lotsen. Irgendwann kam dann Hardware dazu – ehrlich gesagt ein bisschen „wie die Jungfrau zum Kind“. Wir haben zunächst Geräte anderer Hersteller weiterverkauft. Ein Werkstudent sagte irgendwann: „Das können wir doch auch selbst bauen.“ 

Am Anfang waren wir dabei wahrscheinlich etwas naiv, aber wir hatten viel Leidenschaft. Also haben wir angefangen, eigene Geräte zu entwickeln. Daraus ist schließlich unsere Portable Pilot Unit entstanden. 

Was genau ist eine Portable Pilot Unit? 

Frank Diegel: Eine Portable Pilot Unit, kurz PPU, ist ein mobiles Navigationssystem für Lots:innen. Wenn diese an Bord eines Schiffes gehen, nehmen sie die Geräte mit. Über eine Schnittstelle am Schiff werden Navigationsdaten übertragen. Die PPU greift diese Informationen ab und stellt sie mobil den Lots:innen zur Verfügung.  

Unsere Geräte gehen aber noch weiter. In der PPU sind eigene GNSS-Empfänger (Satellitennavigation), Magnetometer, Beschleunigungssensoren und weitere Komponenten integriert. Damit können die Daten aus den Schiffssystemen überprüft und validiert werden. Das hilft zum Beispiel dabei, Fehlerquellen zu erkennen – etwa wenn GPS-Daten ungenau oder gestört sind. Sie können unabhängig von Schiffssystemen arbeiten. 

Fertigen Sie diese Geräte vollständig selbst? 

Frank Diegel: Entwicklung, Prototypen und kleine Serien produzieren wir selbst. Größere Stückzahlen – etwa 100 bis 200 Geräte – lassen wir industriell bestücken.  

Wie groß ist dieser Markt überhaupt? 

Frank Diegel: Der Lotsenmarkt ist relativ klein. Weltweit gibt es schätzungsweise zwischen 12.000 und 15.000 Lotsinnen und Lotsen. Für ein kleines Unternehmen wie uns ist das aber durchaus interessant, weil wir dort den Markt tatsächlich bewegen können. Unsere Produkte werden inzwischen weltweit eingesetzt und in mehr als 50 Länder verkauft. 

Und wenn dieser Markt irgendwann gesättigt ist? 

Frank Diegel: Wir entwickeln auch neue Anwendungen. Unsere Geräte können zum Beispiel mit LTE-Modem, AIS-Empfängern (Schiffspositionserkennung) oder Korrekturdaten erweitert werden und funktionieren dann als vollständig schiffsunabhängiges Navigationssystem. 

Das ist etwa dann relevant, wenn Schiffe keine moderne Elektronik haben – oder bei besonderen Projekten. Ein Beispiel sind aktuell die Tunnelelemente beim Bau des Weserautobahntunnels. Die verhalten sich beim Transport ähnlich wie Schiffe, haben aber natürlich keine eigene Schiffsnavigation. 

Wie finanzieren Sie Ihre Entwicklung? 

Frank Diegel: Früher haben wir teilweise mit Fördermitteln gearbeitet, etwa über Programme der BAB – Die Förderbank für Bremen und Bremerhaven, um unsere Software wie easyLogic zu entwickeln. Heute finanzieren wir unsere Entwicklung größtenteils aus dem eigenen Cashflow. 

Ist die maritime Wirtschaft Ihr wichtigster Zukunftsmarkt? 

Frank Diegel: Ja, aber nicht nur im klassischen Lotsenbereich. Die Schifffahrt braucht zunehmend sogenannte Fallback-Systeme – also unabhängige Navigationslösungen für Krisen oder Notfälle. 

Ein aktuelles Thema sind beispielsweise GPS-Störungen durch sogenannte Jamming-Attacken, die zuletzt auch in Nordeuropa durch Russland beobachtet wurden. Unsere Geräte nutzen moderne Sensorik und können solche Probleme erkennen oder teilweise kompensieren. Unsere Systeme können zusätzliche Navigationsinformationen bereitstellen und damit die Sicherheit erhöhen. 

Wie groß ist Ihr Unternehmen heute? 

Frank Diegel: Wir sind derzeit 14 Mitarbeitende. Der Charme eines kleinen Unternehmens ist, dass Entscheidungen schnell getroffen werden können und wir sehr agil arbeiten. Gleichzeitig sind wir hier in Bremen gut mit der maritimen Wirtschaft vernetzt. 

Hatten Kundinnen und Kunden anfangs Bedenken, bei einem kleinen Unternehmen zu kaufen? 

Frank Diegel: Das gab es am Anfang durchaus. Aber inzwischen haben wir viel Vertrauen aufgebaut. Über die Lots:innen sind unsere Systeme heute auf jedem großen Schiff im Einsatz, das einen deutschen Hafen anläuft. 

Trenz engagiert sich auch in der Bremer Smartport-Initiative. Was bringt Ihnen das? 

Frank Diegel: Ich bin dort in verschiedenen Ausschüssen aktiv. Gemeinsam mit Partnerinnen und Partnern wie dem ISL-Institut, bremenports und der Universität Bremen arbeiten wir an Projekten rund um Digitalisierung und Innovation in der Hafenwirtschaft.  

Viel Mehrwert entsteht auch bei den Veranstaltungen. Dort lernt man neue Menschen kennen und entdeckt gemeinsame Themen. So entstehen häufig Ideen für neue Projekte. 

Sie sind vor einigen Jahren in den Technologiepark Bremen gezogen. Hat sich das für sie ausgezahlt? 

Frank Diegel: Absolut. Für uns war das genau der richtige Schritt. Der Technologiepark ist ein sehr attraktiver Standort, gerade für ein IT-Unternehmen. Man trifft hier an jeder Ecke Firmen und Forschungseinrichtungen, die spannende Dinge machen. Man könnte fast sagen, es ist ein kleines Silicon Valley in Bremen. 

Ist es schwierig, als kleines Unternehmen IT-Fachkräfte zu gewinnen? 

Frank Diegel: Natürlich können wir nicht die Gehälter großer Tech-Konzerne zahlen. Aber das Niveau hat sich in den letzten Jahren ohnehin etwas normalisiert. 

Was wir bieten können, sind kurze Wege, eine offene Diskussionskultur und viel Gestaltungsspielraum. Einige unserer Mitarbeitenden sind schon seit ihrer Zeit als Werkstudentinnen und Werkstudenten bei uns und inzwischen seit über 15 Jahren im Unternehmen. 

Was ist Ihre langfristige Vision für Trenz? 

Frank Diegel: Ich sage immer: Lieber kleiner König als großer Knecht. Wir wollen bewusst ein überschaubares, agiles Unternehmen bleiben. Unser Ziel ist es, Produkte zu entwickeln, die mit einer kleinen Mannschaft skalieren können – und technisch wirklich exzellent sind. Außerdem schauen wir uns neue Märkte an, etwa die sogenannte „weiße Flotte“ oder Anwendungen in der Seenotrettung. 

 
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