Europa – zwischen Estland und Italien


Datum / Uhrzeit

Datum: 12. Mai 2020
Zeit: 18:00 Uhr

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DIGITALES ANGEBOT –

Es scheint sehr passend, gerade zu einem Zeitpunkt, an dem 75 Jahre Kriegsende begangen werden und auch die große Mehrheit der Deutschen dies als Befreiung vom Faschismus und Nationalsozialismus empfindet, auch an die Bücher der estnischen Schriftstellerin Viivi Luik zu erinnern. Als 1991 „Der siebte Friedensfrühling“ („Seitsmes rahukevad“) in deutscher Ausgabe erschien, war im Bewusstsein vieler Deutscher, so auch bei mir, noch gar nicht richtig verankert, dass es ein Land wie Estland überhaupt gibt, und wo es genau liegt. Als „Schattenspiel“ 2018 erschien, war nicht absehbar, wie schicksalhaft uns der Blick auf Italien im Frühjahr 2020 vorkommen wird. Und dass Viivi Luik uns mit „Die Schönheit der Geschichte“ auch noch in das Jahr 1968 entführt, zeugt nur von der Vielseitigkeit der Perspektiven, die Leserinnen und Leser bei Viivi Luik entdecken können. Ihre Bücher bieten nicht nur einen Blick aus Estland in die Welt, sondern auch von verschiedenen Ländern Europas auf Estland. „Ihre Essays geben oft einen unerwartet scharfen Blick auf die Verhältnisse der Zeit“, sagt die Literaturwissenschaftlerin Aija Sakova. „Viivi Luik hat seit 1990 insgesamt etwa 18 Jahre außerhalb von Estland gelebt. Sie schildert dabei interessanterweise nicht Unterschiede zwischen Ost- und Westeuropa, sondern zwischen Nord und Süd. Und sie zeigt gleichzeitig, wie das neue und das alte Europa unvermeidlich miteinander verbunden sind.“
Viivi Luik erzählt per Videogruß von einem estnischen Literaturfestival zu Krisenzeiten, den schicksalhaften Schattenseiten und der Seele des Menschen, estnischer Lyrik, dunklen und hellen Zeiten. „Es ist immer schwer, den Wahnsinn der eigenen Zeit zu erkennen,“ sagt Viivi Luik. „Aber alles hängt von der Wahl jedes einzelnen Menschen ab.“
Eigentlich wollte Viivi Luik ihre Bücher am 12. Mai und 14. Mai 2020 in Bremen vorstellen und über aktuelle europäische Visionen diskutieren. Leider haben die aktuellen Krisenzeiten das verhindert. Diese beiden Videos dienen als Gruß aus Estland nach Bremen.

Albert Caspari
Verein „Informationszentrum Baltische Staaten e.V.“ (INFOBALT), Bremen im Mai 2020

Veranstalter: Verein Informationszentrum Baltische Staaten e.V. (INFOBALT), Stadtbibliothek Bremen