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Mit Kind einen Job finden – wie Bremen Alleinerziehende unterstützt

Endlich wieder arbeiten gehen, ein eigenes Einkommen haben oder eine Ausbildung anfangen. Ein Traum für viele Jobsuchende. Nur: Es fehlt ein Ort für die Betreuung des eigenen Kindes und keine Kindertagesstätte (Kita) oder Pflegeeinrichtung bietet kurzfristig einen Platz. Ein Bremer Modellprojekt hilft allen Arbeitssuchenden.

Denn oft finden junge Mütter und Väter zwar ein Jobangebot, aber auf die Schnelle keinen Platz in einer Kita. Wartezeiten von mehreren Monaten kommen häufig vor. Darauf warten Arbeitgeber:innen nicht, sie besetzen die offene Stelle oder den Ausbildungsplatz mit jemand anderem.

Ein Dilemma – aus dem Bremen einen Ausweg gefunden hat. In einer kleinen Kita mitten in der Innenstadt finden seit Anfang 2022 zehn Kinder von Jobsuchenden einen kurzfristigen Betreuungsplatz.

Betreuungslücke für Alleinerziehende auf Jobsuche schließen

Die Idee hinter dem Modellprojekt: Die Lücke zwischen Job-Beginn und Betreuungsplatz füllen. Kund:innen des Bremer Jobcenters und der Agentur für Arbeit Bremen, die innerhalb der nächsten vier Wochen eine Arbeit, eine Aus- und Weiterbildung oder ein betriebliches Praktikum anfangen, können das Angebot nutzen. Von wenigen Tagen bis hin zu drei Monaten gehen die Kleinkinder hier in die Betreuung.

„Das Projekt kommt sehr gut an“, zieht Natalia Hesse, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt (BCA) vom Bremer Jobcenter eine positive erste Bilanz. „Die Teilnehmer:innen sind zufrieden und dankbar. Sie haben mit Hilfe des Projektes die Chance, trotz bis dato fehlender Kinderbetreuung eine Arbeit oder Qualifizierung aufzunehmen. Sie machen somit den ersten Schritt in ein selbstbestimmtes und vom Jobcenter unabhängiges Leben.“

Hohes Interesse am Angebot für Jobsuchende mit Kind

Im Sommer 2022 sind alle Plätze belegt, aber da spätestens alle drei Monate ein Platz frei wird, entsteht eine laufende Rotation. Immer wieder können neue Kinder in der Kita unterkommen. „Grundsätzlich besteht ein sehr großer Bedarf an unseren Betreuungsplätzen, das merken wir natürlich“, so Hesse.

Und das trotz der Vorgaben im Projekt „Flexible Kinderbetreuung für Alleinerziehende (KibA-Flex)“. Denn wer sein Kind hier unterbringen möchte, muss zeigen, dass keine anderen Betreuungsangebote für sie oder ihn zur Verfügung stehen. Die Kita ist zudem nicht für die Überbrückung von Ferienzeiten oder für die Notfallbetreuung vorgesehen.

Unterstützung bei der Suche nach einem dauerhaften Kita-Platz

Damit nach drei Monaten der Übergang in eine andere Einrichtung reibungslos klappt, unterstützen die zuständigen Behörden zudem intensiv bei der Suche nach einem Regelbetreuungsplatz. Denn mit KibA-Flex soll eine langfristige Beschäftigung gesichert werden.

„Für Alleinerziehende bedeutet die Vereinbarkeit von Beruf und Familie oft eine große zusätzliche Belastung. Dieses Modellprojekt gibt mehr Alleinerziehenden die Möglichkeit, langfristig einer existenzsichernden Beschäftigung nachzugehen. Die Flexibilität macht das Angebot so attraktiv, es orientiert sich an der Lebensrealität vieler Alleinerziehenden", so die Bremer Senatorin für Wirtschaft, Arbeit und Europa, Kristina Vogt.

Jobcenter aus ganz Deutschland klopfen in Bremen an

Das Bremer Modellprojekt ist bundesweit einzigartig – und sorgt für Aufmerksamkeit. „Regelmäßig bekomme ich Anfragen aus unterschiedlichen Jobcentern, die vor dem gleichen Betreuungsproblem stehen und nach Lösungsansätzen suchen“, so Hesse vom Jobcenter.

Das Projekt ist auf drei Jahre angelegt und wird von der Senatorin für Kinder und Bildung, der Senatorin für Wirtschaft, Arbeit und Europa sowie dem Jobcenter Bremen und der Agentur für Arbeit Bremen-Bremerhaven unterstützt und durch die pme Familienservice GmbH umgesetzt.

Bereits nach einem halben Jahr ziehen die Verantwortlichen bei all der guten Resonanz eine positive Zwischenbilanz, finden aber auch Verbesserungspotenzial: „Wir evaluieren regelmäßig den Projektverlauf und stellen fest, dass eine wohnortnahe Betreuung wesentlich praktischer für die beteiligten Personen wäre. Dafür suchen wir aktuell nach Lösungen“, schließt Hesse. Rund 7100 Alleinerziehende, vorwiegend Frauen, sind beim Bremer Jobcenter gemeldet – und für einige von ihnen bedeutet die flexible Kita die Möglichkeit zum (Wieder-)Einstieg ins Berufsleben.

Dafür haben sie auch künftig die Unterstützung aus Bremen: „Wir wollen weitere Einrichtungen in den Stadtteilen eröffnen, damit wir Alleinerziehenden, die sich beruflich weiterentwickeln wollen, in der ganzen Hansestadt ein Angebot machen können“, ergänzt auch Kai Stührenberg, Staatsrat für Arbeit in Bremen.

Kontakt für Jobsuchende mit Betreuungsbedarf:

Jobcenter Bremen
Tel.: 0421 178 26 66
Mail: jobcenter-bremen.bca@jobcenter-bremen.de  Stichwort “Kiba-Flex”

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